Peter Schnitzler

19.02.1927, verh., Ballettmeister und Choreograph
 

  Am Rosenmontag 1927 in Erp (bei Köln) geboren, nach einer Karriere als Solotänzer in Köln, 25 Jahre Ballettmeister in Aachen, feiert Peter Schnitzler in diesem Jahr, wieder an einem Rosenmontag, seinen 80. Geburtstag. Von Jaques Königstein entdeckt, war  Peter Schnitzler auch im Aachener Karneval ein bekannte Größe. Er gilt als der Erfinder der Hebefiguren beim Mariechentanz. In Köln wurde er in diesem Jahr mit Ehrungen überhäuft.
"karnevalinaachen.de" gratuliert auf diesem Wege, in der Gewissheit, dies auch stellvertretend für viele Aachener Karnevalisten zu tun.

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Wir fragten Peter Schnitzler:

Stationen  einer langen Karriere
Mein Vater war Landwirt und begeisterter Karnevalist. Ich wurde am Rosenmontag geboren und meine Mutter zeigte mich den vorbeiziehenden Karnevalisten aus dem Fenster. Wenn man mich für Stunden beschäftigen wollte durfte ich mit den Karnevalskleidern, die meine Mutter in einer Truhe aufbewahrte, spielen. Ich war dann in dieses Spiel versunken und zog so nach und nach alle diese Sachen an.
Als ich nach dem Krieg zurück kam lernte ich meine spätere Frau, Hilde, kennen.
Hilde war Schauspielerin. Ich hatte im Kriegsgefangenenlager ein halbes Jahr Theater gespielt. Wie man so sagt hatte ich da bereits „Blut“ geleckt. Man kommt dann nicht mehr vom Theater ab.
Aus der Bekanntschaft mit Hilde wurde dann Liebe. Ein Jahr später bekam sie ein Engagement in Frankfurt und ich habe sie gebeten dem Direktor Bilder von mir zu zeigen und ihn zu fragen, ob er mich brauchen kann.
Es handelte sich um eine Wanderbühne aus Bad Nauheim. Ich wurde dann zu einem Vorsprechen eingeladen. Ich sprach vor und wurde als Schauspieleleve, mit Umbauverpflichtung und kaufmännischen Arbeiten, für 150,- Mark und 75,- Mark Spesen engagiert. So ging ich ans Theater. Leider konnte ich dort nichts lernen. Wir sind dann zurück in unser Dorf nach Erp gegangen weil wir körperlich auch sehr mitgenommen waren. Wir hatten Wandermarken und konnten uns nur selten etwas zu Essen kaufen. Zu Hause angekommen, sagte mein Vater: „Jetzt es et uss met dr Dollheijt!“ Daraus entwickelte sich ein heftiger Streit. Ich sagte ihm er habe mich unter falschen Versprechungen gelockt und mir den Besuch einer Schauspielschule versprochen. Er brüllte mich an und sagte: „Deine Leidenschaft ist doch nicht die Schauspielerei, deine Leidenschaft ist das Tanzen, dann werde doch Tanzlehrer!“
Wir haben dann auf Umwegen versucht eine Schule zu finden. Mein Vater ist dann sogar mit mir zu diesen Schulen gegangen und ich wurde schließlich Tanzlehrer.

Wo war ihre erste Station nach der Ausbildung zum Tanzlehrer?
Nach meiner Bühnentanz-Ausbildung war meine erste Station die Kölner Oper. Damals gab es Sommerseminare für Tänzer. Es kamen Tänzer aus ganz Deutschland zusammen, man holte sich die besten Lehrer und Choreographen und es gab 14 Tage Unterricht. Da man noch keine geeigneten Räume hatte, fanden diese Veranstaltungen im Jugendhof in Steinbach, in der Eifel, statt. Beim Abschlussabend war der Ballettmeister der Kölner Oper anwesend und meine Lehrerin sagte, sie habe einen begabten Schüler, der nun aber ins Engagement müsse und fragte, ob man für mich Verwendung habe.
Ich wurde für den folgenden Montag zur Oper eingeladen. Man sagte mir, man hebe zwar keine Vakanz aber ich solle täglich in Köln trainieren. Ich durfte dann für 5,- Mark Statit sein und bekam für die Probe 2,50 Mark. Das hebe ich dann sofort gemacht.
Ich bin bei „Julius Caesar“ mit der Lanze über die Bühne gegangen, habe vor Herodes den Teppich ausgerollt, alles für 5 Mark!
Und dann, man soll es nicht glauben, ein Monat später war eine Vakanz da! Mein erstes Engagement war dann 1950 an der Kölner Oper als junger Tänzer.
„Sue hät et anjefange“

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